Die WHO hat nunmehr am 1. Juni 2011 aufgrund neuer Studienergebnisse offiziell bestätigt, daß eine intensive Handynutztung das Risiko für bestimmte Krebsarten (Hirntumore) erhöht. Handystrahlung wird als "möglicherweise krebserregend" eingestuft.
Seit 15 Jahren sage ich das, viele haben mich nur ausgelacht.
Die intensive Nutzung von Mobilfunktechnologie sowie deren stationäre Infrastruktur stehen schon länger im Verdacht, gesundheitlich nicht unbedenklich zu sein und das Risiko bestimmter Erkrankungen deutlich zu erhöhen. Ich persönlich rate seit 15 Jahren eher zur Vorsicht.
Solche Ansätze wurden aber zunächst in den Bereich esoterischer Spinner abgetan, dann die wenigen ernsthaften Forschungen und Ergebnisse angefeindet und diskreditiert.
Doch selbst das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht inzwischen seit Jahren Verhaltensmaßregeln, um die Belastung bei der Handynutzung zu reduzieren. Das Amt bewegt sich dabei auf dem politischen Parkett zwischen den Interessen der Industrie, die in völlig unsinnigen Grenzwerten zum Ausdruck kommen, und einer unscharfen Vorsorgeverpflichtung. Daher sind die Aussagen eher als gemäßigt zu bewerten. Sie stehen auch mehr unauffällig auf der Webseite und werden deutlich weniger beworben als neue Handytarife.
Die tägliche Lebenswirklichkeit spottet ohnehin jeder Beschreibung und sprengt selbst den weit gesteckten Rahmen der bisher öffentlich getätigten Ausagen zur vorsichtigen Handhabung:
Während Kinder eigentlich überhaupt keine Mobilfunktechnologien nutzen sollen, werden sie bereits in der Wiege rund um die Uhr mit dem heimischen Schnurlostelefon (DECT) bestrahlt und spätestens bei der Einschulung mit einem Handy versorgt, damit sie immer schön erreichbar sind.
Statt aber den Kindern und Jugendlichen im Speziellen (und allen Nutzern im Allgemeinen) entsprechende Sicherheitshinweise und Verhaltensmaßnahmen bei der Nutzung von mikrowellenbasierter Mobilfunktechnologie mitzugeben, wird ihnen (von den Eltern) die Gerätschaft völlig unkritisch und unreflektiert in die Hand gedrückt und von der Werbung ohne Beschränkungen am besten die ununterbrochene Dauernutzung empfohlen.
Das führt zu teilwiese extremen Auswüchsen:
Da wird in Zügen, Bussen und Kraftfahrzeugen munter auch mal eine halbe Stunde am Stück telefoniert, also in elektromagnetisch geschlossenen Räumen, wo das Gerät seine volle Sendeleistung braucht, und trotzdem nur ein geringer Teil der Strahlung den Raum verläßt, während der andere immer wieder reflektiert zu Interferenzen neigt, die wiederum Hot Spots bilden, möglicherweise genau dort wo sich biologisches Gewebe befindet (Hirn? Oder nur Bindegewebe?).
Da ist es nur eine Fußnote, daß man den Sitznachbarn auf der Telefonseite ebenfalls gleich mit maximaler Mikrowellenleistung bestrahlt. Wehrt der sich dagegen, wird er günstigstenfalls ignoriert und belächelt, in einem ungünstigeren Fall rüde angepöbelt.
Eine ganz tolle Aussage bekommt man insbesondere von Jugendlichen zu hören, wenn man sie darauf hinweist, daß man auf jeden Fall nachts doch das Handy abschalten sollte: "Das geht nicht, es könnte ja jemand anrufen oder simsen." Aha.
Jugendlicher zu seinen Freunden im Zug: "Ich bin heute völlig fertig. Habe kaum geschlafen, weil fast jede Stunde eine SMS kam." Aha.
Das sind Verhaltensweisen, die man auch ganz unabhängig von den gesundheitlichen Bedenken gegenüber Funktechnologien als bedenkliche Auswüchse ansehen sollte. Sie gehen klar in Richtung Suchtverhalten mit körperlichen, psychischen und sozialen Folgen.
Die meisten Menschen heutzutage (Jugendliche dabei mehr noch als Erwachsene) geben denn auch an, daß sie sich auch nur einen Tag ohne Handy kaum vorstellen können.
Besonders bedenklich: Erkrankungen aufgrund der Nutzung von Mobilfunk haben eine Latenzzeit von Jahrzehnten. Während jemand in meinem Alter erst mit 30 sein erstes Handy in die Hand gedrückt bekommen hat, werden seit Ende der 1990er Jahre Kinder bereits ab (eigentlich schon vor) Geburt bestrahlt. Wenn ich 30 Jahre Bestrahlung hinter mit habe, bin ich 60. Wenn ein Kind Jahrgang 2000 30 Jahre Bestrahlung hinter sich hat (und zwar wesentlich stärkere, weil der Ausbau und die Nutzung ja umfangreicher wird) ist es 30.
All das wird Folgen haben, und vermutlich keine guten für Gesundheit und Gesellschaft. Wir werden mehr wissen, wenn weitere 15 Jahre vergangen sind. Für einige dürfte es dann zu spät sein.